Umgang und Wechselmodell

Anette Gnandt, Rechtsanwältin + MediatorinMediation, Scheidung und Kinder

Umgang Wechselmodell

Sehe ich meine Kinder nach der Trennung noch?

Bei einer Trennung von Eltern kommt besonders bei den Vätern häufig die Angst auf, dass sie ihre Kinder aufgrund der Trennung von der Mutter kaum noch zu Gesicht bekommen werden.
Für viele Elternteile unbefriedigend ist die Regelung, das Kind nur alle 14 Tage am Wochenende zu sehen. Begriffe wie „Wochenendmama“ oder „Zahlpapa“ drücken diese Unzufriedenheit aus. Getrennt lebende Eltern, die das sog. Wechselmodell praktizieren, benutzen diese Begriffe für sich nicht. Denn sie teilen sich die Zeit mit dem Kind und die Erziehungsaufgaben.

Rechtlicher Hintergrund des Wechselmodells

Das Kind hat das Recht auf Umgang mit seinen Eltern. Auch ein leiblicher Elternteil hat das Recht auf Umgang mit seinem Kind. Dieses Recht kann nur in Ausnahmefällen verwehrt werden, zum Beispiel wenn der Umgang nachweislich gesundheitliche Schäden beim Kind verursacht. Von solchen Extremfällen abgesehen, wird der Umgang somit auch rechtlich abgesichert und die Durchsetzung des Umgangsrechts notfalls vollstreckt werden. Übrigens spielt es für das Recht auf Umgang keine Rolle, ob die Eltern miteinander verheiratet waren. Auch ob ein Elternteil das alleinige Sorgerecht hat, ist für das Recht auf Umgang des anderen Elternteils nicht relevant.

Was steckt hinter dem Wechselmodell?

In rechtlicher Hinsicht spricht man von einem sogenannten paritätischen Wechselmodell, wenn die Eltern das Kind jeweils zur Hälfte der Zeit betreuen. Diese fifty-fifty Lösung bezieht sich aber nicht nur auf den zeitlichen Aspekt, das Kind muss vielmehr in der Zeit, in der es bei einem Elternteil ist, von diesen auch in allen wichtigen Angelegenheiten betreut werden. So ist es beispielsweise kein Wechselmodell, wenn das Kind abwechselnd je eine Woche beim Vater bei der Mutter ist, in der Woche beim Vater, dieser aber keine notwendigen Arztbesuche mit dem Kind tätigt oder nicht zum Elternabend geht. Es kommt somit auch auf die tatsächliche Übernahme der Elternverantwortung an und bei welchem Elternteil hier der Schwerpunkt liegt. Seit einiger Zeit ist zu beobachten, dass viele junge Eltern nach einer Trennung das Wechselmodell für erstrebenswert halten und – neben dem rein zeitlichen Aspekt – tatsächlich beide gleichermaßen Verantwortung für das Kind übernehmen.

Das Wechselmodell und seine rechtliche Durchsetzung

Aus rechtlicher Sicht verhielt es sich bislang so, dass ein Wechselmodell nicht gegen den Willen eines Elternteils vom Gericht angeordnet werden konnte. Begründet wurde dies damit, dass ein Wechselmodell eine besondere Kommunikationsfähigkeit und Kooperationsbereitschaft der Eltern voraussetze. Damit konnte ein Elternteil das Wechselmodell blockieren, wenn es ihm nicht zustimmte. In einer neueren Entscheidung des Bundesgerichtshofs vom Februar 2017 (Beschluss vom 01.02.2017 – VIII ZB 601/15) heißt es nun aber richtungsweisend, dass ein Wechselmodell zum Wohle des Kindes gegen den Willen eines Elternteils angeordnet werden könne. Allerdings bleibt als Voraussetzung, dass die Eltern eine gute Kommunikations- und Kooperationsbasis besitzen müssen. Unzulässig sei die Anordnung eines Wechselmodells um diese Grundlagen erst zu schaffen. Es liegt auf der Hand, dass beide Elternteile direkten Einfluss auf die Kommunikations- und Kooperationsbasis haben und durch eine erhebliche Verschlechterung damit noch immer eine gerichtliche Anordnung des Wechselmodells gegen ihren Willen verhindern können. Hierin liegt auch der Schwachpunkt der jüngsten Entscheidung des Bundesgerichtshofs zum Wechselmodell.

Das Wohl des Kindes im Wechselmodell

So verständlich es erscheint, dass beide Elternteile etwas von ihrem Kind haben und insbesondere Väter keine Zahlväter oder Wochenendväter sein wollen, im Fokus sollte nach Möglichkeit jedoch immer das Wohl des Kindes stehen. Das Kind gibt in einem gerichtlichen Umgangsverfahren gegenüber seinem Verfahrensbeistand oder einen Familienrichter häufig an, dass es sowohl bei Mama als auch bei Papa sein will. Dies ist nicht ungewöhnlich, denn Kinder haben ein ausgeprägtes Gerechtigkeitsempfinden und ein gutes Gespür für die Bedürfnisse ihrer Eltern. So kann es durchaus sein, dass sie mit einer solchen Entscheidung schlichtweg überfordert sind und glauben sie müssten aus Gerechtigkeitsgründen die gleiche Zeit bei den Elternteil verbringen. Dies kann insbesondere bei älteren Kindern, die immer mehr auch in ein soziales Umfeld und ihren Freundeskreis eingebunden sind, zur Belastung werden. Spätestens in der Pubertät wünschen sich manche der Kinder, die mit dem Wechselmodell aufgewachsen sind, doch nur ein Zuhause und nur ein eigenes Zimmer mit ihren Sachen und ihrer Lieblingskleidung als Zufluchtsort und als Ausgangspunkt für Treffen mit Freunden. Dies ist sicher individuell sehr unterschiedlich. Daher ist besondere Aufmerksamkeit erforderlich, denn mit dem Heranwachsen der Kinder ändern sich auch deren Bedürfnisse.

Wie Mediation helfen kann

Eine zwischen den Eltern geschlossene einvernehmliche Umgangsregelung, egal, wie sie im Ergebnis ausfällt, nimmt Druck von Eltern und Kind. Je nach Alter des Kindes wird es in das Mediationsverfahren eingebunden. Können sich die Eltern über den Umgang einigen, entfällt nicht nur das Gerichtsverfahren. Auch das Jugendamt und gegebenenfalls der Verfahrensbeistand für das Kind mischen sich nicht ein. In der Mediation können zudem detaillierte Regelungen zu Folgefragen wie dem Unterhalt und der Ausstattung des Kindes getroffen werden. Ganz ohne Zeitdruck und Einmischung von fremden Personen.

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