Das Wohl der Scheidungskinder in der Mediation

Anette Gnandt, Rechtsanwältin + MediatorinMediation, Scheidung und Kinder

Scheidungskinder

Das Kindeswohl bei der Scheidung

Eltern wollen nicht, dass ihr Kind leidet. Bei einer Trennung lässt sich das jedoch häufig nicht vermeiden. Für Kinder bricht meist eine Welt zusammen, wenn ein Elternteil auszieht. Trotz der vielen eigenen Konflikte während einer Trennung sollten Eltern besonders darauf achten, die Scheidungskinder nicht noch unnötig zu belasten. Das klingt selbstverständlich, wird aber im Eifer des Gefechts leider oft vernachlässigt.

Scheidungskinder zwischen ihren Eltern — Ein Loyalitätskonflikt

Für Kinder sind ihre Eltern überlebenswichtig und oft ein Leben lang die wichtigsten Bezugspersonen. Kinder können die Bedürfnisse ihrer Eltern spüren. Scheidungskinder bestätigen oft die Sicht des Elternteils, mit dem sie gerade zusammen sind und fühlen sich dann dem anderen Elternteil gegenüber schuldig. Ein Beispiel: Die Mutter, bei dem das Kind nach der Trennung lebt, fragt, ob es ok ist, wenn der Vater nur alle zwei Wochen zu Besuch kommt. Schließlich hätte Vati die Mami mit seiner neuen Frau und dem Wegzug sehr traurig gemacht.
Es ist mehr als wahrscheinlich, dass das Kind um seiner Mutter willen tatsächlich sagen wird, dass es den Vater nur alle zwei Wochen sehen möchte. Das Kind befindet sich hier in einem Loyalitätskonflikt. Diese Gefühle der Zerrissenheit können soweit führen, dass Scheidungskinder gar nicht mehr über ihre eigenen Gefühle und Bedürfnisse sprechen.

Die Beteiligung des Kindes in der Mediation

Im Mediationsverfahren im Zusammenhang mit der Trennung der Eltern spielt immer auch eine Rolle, was für das Kind das Beste ist. Wie und in welchem Umfang das Kind in die Mediation eingebunden werden kann, hängt von dem Alter des Kindes ab und von den in der Mediation behandelten Themen. Geht es in der Scheidungsmediation um vermögensrechtliche Themen ist eine Teilnahme des Kindes an Mediationssitzungen in aller Regel nicht nötig. Wenn es aber um Fragen geht, die das Kind in seinen Lebensumständen direkt betreffen – wie beispielsweise der künftige Wohnsitz des Kindes bei Wegzug eines Elternteils – kann die Teilnahme des Kindes an Mediationssitzungen sinnvoll sein.

Regelungen der Eltern und die Einbeziehung der Sicht des Kindes

Die von den Eltern gefundenen Lösungen für ihre Trennungskonflikte können dem Kind im Rahmen der Mediation präsentiert werden. Umgangsregelungen, die das Kind unmittelbar betreffen, können gleichzeitig von den Eltern erklärt werden. Wenn die Umgangsregelung beispielsweise beinhaltet, dass der Vater das Kind nur an einem Wochenende im Monat zu sich nimmt, können auch gleich die Gründe hierfür kindgerecht erklärt werden (weil der Vater z.B. vorrübergehend in einer WG wohnt). Wenn das Kind nämlich nicht einbezogen wird, besteht die Gefahr, dass es eine Regelung anders interpretiert, als sie gedacht war (bspw. dass der Vater sein Kind nicht mehr lieb hat, weil er es so selten zu sich nimmt). Falsch verstandene Regelungen, die das Kind betreffen, könnten dazu führen, dass das Kind den Umgang mit dem Vater später ablehnt, weil es sich unerwünscht oder lästig fühlt. Ein geschulter Mediator kann zudem dafür sorgen, dass die Bedürfnisse der Scheidungskinder schon bei dem Zustandekommen einer (Umgangs-)Regelung zur Sprache kommen und von etwaigen Loyalitätskonflikten mit den Eltern befreit wahrgenommen werden.

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