Regeln in der Mediation: Offenheit und Informiertheit

Anette Gnandt, Rechtsanwältin + MediatorinKonfliktlösung, Mediation

Offenheit und Informiertheit symbolisiert durch ein Straßenschild

Das Prinzip der Offenheit und Informiertheit in der Scheidungsmediation

Zu Beginn eines Mediationsverfahrens einigen sich die Konfliktparteien und der Mediator auf bestimmte Regeln. Eine wichtige Regel, die sogar ein sog. Strukturprinzip der Mediation ist, ist das Prinzip der Offenheit.

Das Prinzip der Offenheit

Nach dem Prinzip der Offenheit müssen die beiden Konfliktpartner dazu bereit sein, sich gegenseitig alle Informationen offen zu legen, die zur Lösung des Konflikts wichtig sind. In der Scheidungsmediation geht es häufig um das Thema Unterhalt und Vermögensausgleich. Um hier eine faire Lösung zu finden, muss bekannt sein, wie viel die Ehegatten auf dem Konto haben und wie hoch das monatliche Einkommen und die notwendigen Ausgaben sind. Angestellte müssen bspw. ihre Gehaltsabrechnungen vorlegen. Bei Selbstständigen bedeutet das Prinzip der Offenheit, dass die Informationen zum Wert und Ertrag Ihres Unternehmens bzw. ihrer freiberuflichen Tätigkeit offenzulegen sind. Hierzu gehören regelmäßig die letzten Bilanzen nebst Gewinn- und Verlustrechnung bzw. Einnahmen-Überschussrechnungen sowie Steuerbescheide.

Bedeutung und Hintergründe

Werden Informationen nicht offengelegt, können die Ziele der Mediation nicht erreicht werden. Die Konfliktpartner sollten sich daher zu Beginn der Mediation darüber im Klaren sein, dass Sie ihre Einkommens- und Vermögenslage offenzulegen haben.
Nur bei Kenntnis der Fakten kann eine faire und dauerhafte Lösung erarbeitet werden. Es sollte daher nicht als Misstrauen gewertet werden, wenn detaillierte Angaben zu machen sind und auch Belege, wie beispielsweise der Steuerbescheid, vorgelegt werden sollen. Oftmals ist nach den vielen Jahren des gemeinsamen Wirtschaftens einfach nicht klar, was der andere Partner zu seiner Verfügung hat und braucht.
Wer dieses Strukturprinzip dennoch für zu weitgehend hält, sollte sich vor Augen halten, dass dieselben Pflichten zur Offenlegung auch bei einer streitigen Scheidung vor Gericht bestehen.

Das Prinzip der Informiertheit

Das Gegenstück zur Offenheit lautet Informiertheit. Konfliktpartner sollten also bereit sein, die Ihnen zur Verfügung gestellten Informationen zur Kenntnis zu nehmen. Denn nur wenn man informiert ist, kann man auch sachgerechte Lösungen vereinbaren. Es ist zum Beispiel wichtig, wie viel die einst gemeinsam angeschaffte Immobilie inzwischen wert ist. Etwaige Unklarheiten bei den Angaben des anderen Partners können zusammen mit dem Mediator meist in der Mediation beseitigt werden.

Vertrauliche Behandlung

Wenn sich die Konfliktparteien auf die Prinzipien Offenheit und Informiertheit geeinigt haben, ist es wichtig, dass die gegebenen Informationen auch vertraulich behandelt werden. Vertraulichkeit ist ein weiteres Strukturprinzip der Mediation, das sicherstellt, dass die mitgeteilten Informationen nicht missbraucht werden. Auch hierauf einigen sich die Eheleute zu Beginn der Mediation daher in der Regel.
Mediatoren sind übrigens sogenannte Berufsgeheimnisträger, d.h. es ist ihnen gesetzlich verboten, die erhaltenen Informationen nach außen zu tragen.

Um sich einen Überblick zu verschaffen, was das Prinzip der Offenheit und Informiertheit in der Scheidungsmediation konkret bedeutet, können Sie hier meinen Auskunftsbogen einsehen und herunterladen.

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