Phasen der Trennung

Anette Gnandt, Rechtsanwältin + MediatorinGefühle, Mediation

Symbol für Leugnen

Die unterschiedlichen Phasen einer Trennung

Es existieren zahlreiche Untersuchungen die sich mit der Psyche von Paaren in Trennung beschäftigen. Die Fachleute unterscheiden hierbei im Groben vier Phasen einer Trennung, die individuell ganz unterschiedlich lange andauern. Als Durschnitt lassen sich etwa drei Monate pro Phase festmachen, wobei die Dauer der Überwindung einer Phase fließend ist. Es erscheint sowohl für die betroffenen Paare, als auch für Mediatoren hilfreich, die unterschiedlichen Stadien einer Trennung im Blick zu haben, wenn es um die Frage geht, wann eine Mediation sinnvoll ist.

Phase 1: Kurz nach der Trennung

In dieser Phase leugnet und verdrängt ein Partner die Trennung. Meist ist es der Partner, der verlassen wird, der geschockt reagiert und die Trennung nicht wahrhaben will. In psychologischer Hinsicht können eine innerliche Lehre vorherrschen sowie das Gefühl von Hilflosigkeit bis hin zur Ohnmacht. Aber auch die Hoffnung auf Versöhnung kann die Vorstellungswelt bestimmen. Eine Mediation mit einem Partner, der in dieser Phase steckt, sollte gerade zu Beginn sorgfältig herausarbeiten, dass eine Mediation nicht darauf gerichtet ist, die Paarbeziehung zu kitten. Der Mediator oder die Mediatorin sollte dies klar formulieren, um keine falschen Erwartungen an die Mediation entstehen zu lassen. Eine Mediation ist keine Paartherapie. Mediation ist eine Möglichkeit, um die Folgen der Trennung gemeinsam zu regeln.

Ein erfahrener Mediator wird erkennen, ob es für eine Mediation unter Umständen noch zu früh ist. Eine Therapie parallel zur Mediation kann ebenfalls hilfreich sein.

Phase 2: Die Realität

Die Partner realisieren, dass es ernst wird mit der Trennung. Häufig brechen Gefühle regelrecht auf und werden als negativ empfunden. Hierzu gehören die unangenehmen Gefühle wie Schmerz, Wut, Trauer, Verzweiflung, das Gefühl der Einsamkeit und der Überforderung. In dieser Phase machen sich die Betroffenen häufig Selbstvorwürfe. Sie geben sich für das Scheitern der Beziehung die Schuld und es plagen sie Selbstzweifel bis hin zur Selbstabwertung. Um den Zustand der „Schwäche“ nicht aufkommen zu lassen und die aufkommende Angst vor dem Alleinsein und der neuen Rolle spüren zu müssen, reagieren manche Betroffene mit starker Wut bis hin zu Verbitterung und sogar Hass. Die Vorwürfe richten sich gegen den (Ex-) Partner und Rachelust keimt auf. Steckt jemand in dieser Phase, ist es nicht sehr wahrscheinlich, dass er über eine Mediation nachdenkt oder sich zu einem Mediationstermin begibt.

Phase 3: Aufwind und Entdecken der Stärke

In dieser Phase orientieren sich die Partner neu und alte Ressourcen können zurückkehren. Die Betroffenen können erkennen, dass gegenseitige Vorwürfe Ihnen nicht weiterhelfen. Die Trennung wird als Lösung zur Veränderung eines alten Zustands akzeptiert. Es entsteht ein neues Selbstwertgefühl, wodurch neue Perspektiven entstehen können. Innerlich gelingt den Betroffenen allmählich, die Liebe zum Ex-Partner loszulassen. Die Sehnsucht nach dem Ex-Partner und der guten alten Zeit nimmt ab. Gefühle wie Wut oder Hass treten kaum oder nicht mehr auf. Mediation in dieser Phase kann gut gelingen, da sie an die (wieder) entdeckten Stärken anknüpft und hierdurch die eigenverantwortliche Gestaltung der Zukunft ermöglicht.

Phase 4: Akzeptanz und Abschied

In dieser Phase haben die Betroffenen ein neues Lebenskonzept. Sie sind sich der Gründe für die Trennung bewusst und können die Trennung als Teil ihrer Geschichte akzeptieren. Es entsteht ein inneres Gleichgewicht, das ein erfülltes Leben als Single ermöglicht oder auch schon eine neue Partnerschaft zulässt. Auch in dieser Phase ist eine Mediation gut möglich; insbesondere dann, wenn noch einige streitige Punkte offen sind, die durch vorangegangene gemeinsame Gespräche mit und ohne Hilfe Dritter bislang noch nicht gelöst werden konnten.

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