Mediation bei Kindesentführung?

Anette Gnandt, Rechtsanwältin + MediatorinKonfliktlösung, Mediation, Scheidung und Kinder

Weltkugel mit Riss Symbol Kindesentführung Ausland

Kann Mediation auch bei Fällen einer Kindesentführung helfen?

Wird das eigene Kind entführt, ist das eine der schlimmsten Situationen, in die Eltern (und natürlich das Kind) geraten können. Wenn ein Elternteil das eigene Kind gegen den Willen des anderen mitgenommen hat, oder nicht mehr zurückbringt, handelt er zumeist aus einer tiefen Verzweiflung heraus. Eine Trennung hinterlässt einen Partner oft hilflos und ohnmächtig, mit der neuen Situation adäquat umzugehen. Die Entführung des eigenen Kindes kann eine Kurzschlussreaktion sein, mit der auf die vielen unterdrückten und unverarbeiteten Gefühle reagiert wird.

Gehören die Eheleute verschiedenen Nationalitäten an, kann es sein, dass ein Partner wieder in seine alte Heimat zurückkehren will. Die weitreichende Entscheidung, das Land zusammen mit Kind zu verlassen, darf aber nicht ohne den anderen Elternteil getroffen werden. Zum einen stellt es für das Kind eine extreme Belastung dar, aus seiner gewohnten Umgebung gerissen zu werden und nicht zu wissen, ob und wann er denn anderen Elternteil wieder sieht. Zum anderen ist die Rechtslage eindeutig: Bei einer internationalen Kindesentführung wird die Rückführung in aller Regel gerichtlich angeordnet.

Rechtliche Aspekte der Kindesentführung

Rechtlich stellen die beiden, eingangs geschilderten Verhaltensweisen, also das vom anderen nicht erlaubte Mitnehmen bzw. Verbringen, wie auch das Zurückhalten gegen den Willen eines Elternteils, eine Kindesentführung dar. Durch internationale Rechtsvorschriften des Haager Übereinkommens über die zivilrechtlichen Aspekte internationaler Kindesentführung (kurz HKÜ) vom 25.Oktober 1980, kann eine schnelle Rückführung des Kindes in das Land seines gewöhnlichen Aufenthalts angeordnet werden. Voraussetzung ist, dass das Kind unter 16 Jahre alt ist und die Rückführung von dem anderen Elternteil beantragt wurde. Dem HKÜ sind zahlreiche, auch nicht europäische Länder beigetreten, die auf der Basis dieses Abkommens bei internationalen Kindesentführungen zusammenarbeiten.

Mediation als Chance bei Kindesentführung

Mit einer gerichtlich angeordneten Rückführung ist der Konflikt zwischen den Eltern nicht beendet, sondern er geht meist nur in zweite Runde. Selten akzeptieren Eltern die Ent- und Rückführung und eine Spirale von Verletzungen, Angst und gegenseitigen Schuldzuweisungen setzt sich fort. Darunter leiden die Schwächsten am meisten: die Kinder. Dies ist die traurige Realität, von der ich als Rechtsanwältin in zahlreichen HKÜ-Verfahren berichten kann. Es geht in diesen Verfahren, ganz technisch, nur um die Rückführung des Kindes, also nicht auch um die weiteren Konfliktpunkte, wie die sprachliche und religiöse Erziehung des Kindes, Unterhalt, Kontakt zur Familie des anderen Elternteils etc.
Mit der Unterstützung durch einen Mediator oder ein Mediatorenpaar (Mann/Frau) kann wieder eine Kommunikation zwischen den Eltern stattfinden. Diese haben die Chance, durch das Mediationsverfahren wieder gegenseitiges Vertrauen aufzubauen. Mit Hilfe des Mediators werden die hinter den als negativ empfundenen Gefühlen (Verzweiflung, Angst, Wut, Trauer) steckenden Bedürfnisse herausgearbeitet. Der Mediator wird hierbei den Eltern das Wohl des Kindes immer wieder ins Bewusstsein rufen. Anders als im Gerichtsverfahren können die vielen Fragen, die eine Trennung auf die Erziehung des Kindes hat, geklärt werden, beispielsweise die Frage, in welche Schule das Kind gehen soll. Besteht die Angst, dass sich eine Kindesentführung wiederholt, kann auch ein begleiteter Umgang vereinbart werden. In der Mediation können die Eltern eine einvernehmliche Lösung für ihren Konflikt finden, die dann dauerhaft für Frieden sorgen kann.

Weitere Informationen finden Sie auch hier: MiKK e.V. Mediation bei internationalen Kindschaftskonflikten

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