Kinder und Mediation

Anette Gnandt, Rechtsanwältin + MediatorinKommunikation, Mediation, Scheidung und Kinder

spielendes Mädchen

Kinder und Mediation

Es entscheiden sich häufig Paare mit Kindern für eine Scheidungsmediation, um die Kinder zu schonen. Warum gilt die Mediation bei Trennung und Scheidung mit Kindern als weniger belastend als beispielsweise ein gerichtlich ausgetragener Umgangsstreit und wie werden die Interessen der Kinder in die Mediation eingebracht?

Warum eine Mediation bei Themen wie Sorgerecht und Umgang besonders geeignet ist

Im Gegensatz zu einem Gerichtsverfahren suchen die Eltern bei der Mediation einen gemeinsamen Weg ihren Konflikt beizulegen; sie kämpfen nicht gegeneinander. Diese Form der Kooperation zwischen Eltern kann die Stimmung in der Familie positiv beeinflussen. Statt die Kinder bei der Trennung auf die eigene Seite zu ziehen, können sich die Eltern in der Mediation bewusst werden, was sie und die Kinder künftig voneinander brauchen. Sind die Kinder alt genug, können die Eltern den Kindern auch erklären, dass sie in einer Mediationssitzung miteinander reden und verhandeln, um die bestmögliche Lösung für alle zu finden. Für die Kinder kann das eine sehr wichtige Information und positive Erfahrung sein, denn zumeist fürchten sie bei einer Trennung einen Elternteil zu verlieren oder sich für einen entscheiden müssen. Diese Belastung kann verstärkt werden, wenn die Eltern vor dem Kind schlecht übereinander reden. So verständlich es ist, dass eine Trennung negative Gefühle bei den Erwachsenen hervorruft, bei den Kindern sollten diese nicht abgeladen werden. Beherzigen Sie den Grundsatz, vor den Kindern nicht über den anderen Elternteil schlecht zu reden. Klären und lösen Sie die Verletzungen in einer Therapie, wenn notwendig, und die gemeinsamen Konflikte in der Mediation. Kinder lernen auch durch Nachahmung. Wenn Sie sehen, dass ihre Eltern schwere Zeiten meistern können und zuversichtlich ihr neues Leben ordnen, stärkt und prägt das die Kinder für ihr späteres Leben. Als Eltern wünschen wir uns Kinder, die Kompetenzen entwickeln, glückliche Beziehungen zu führen und weniger glückliche angemessen zu beenden.

Kinder im Gerichtsverfahren

Bei einem Scheidungsverfahren, in dem auch Kindschaftssachen verhandelt werden, ist die Kommunikation meist auf den mehr oder weniger sachlichen anwaltlichen Schriftverkehr begrenzt. Geht es um das Sorgerecht oder den Umgang, so muss das Kind vor Gericht zu einer Anhörung. Diese Anhörung führt der den Streit entscheidende Richter. Im Rahmen des Gerichtsverfahrens wird auch ein Verfahrenspfleger bestellt, der die Kindesinteressen im Verfahren vertreten soll. Für das Kind heißt das, dass sie sich zumindest einmal mit dem Richter und mit dem Verfahrenspfleger unterhalten müssen. Die Kinder wissen, dass es um den Streit der Eltern geht und sie werden versuchen, es Vater und Mutter recht zu machen. An diesem sogenannte Loyalitätskonflikt knabbern die Kindern. Sie ergreifen Partei für den vermeintlich schwächeren Elternteil, fühlen sich schuld an der Trennung oder haben das Gefühl, sie müssten die Eltern wieder zusammenbringen. Ihnen ist bewusst, dass sie eine wichtige Rolle bei der Entscheidung des Streits vor dem Gericht spielen, insbesonders dann, wenn sie von außenstehenden Dritten hierzu befragt werden. Eltern sollten hier nicht versuchen, Einfluss zu nehmen und dem Kind zu sagen, dass sie bei einer bestimmten Entscheidung aber sehr traurig seien würden etc.
Das Kind wird sich ansonsten weiter verantwortlich für die Gefühle der Eltern fühlen. Es braucht bei derartigen Befragungen viel Fingerspitzengefühl seitens der Richter und Verfahrenspfleger, um das wahre Anliegen der Kinder herauszuarbeiten. Der gerichtlich bestellte Verfahrenspfleger ist übrigens nach Abschluss des Verfahrens nicht weiter mit der Vertretung der Kindesinteressen befasst. Sein Auftrag endet mit dem Gerichtsverfahren.

Kinder in der Scheidungsmediation

In der Scheidungsmediation versuchen in erster Linie zwar die Eltern ihre Lösung zu finden. Ein Mediator im Bereich Trennung und Scheidung wird jedoch auch stets die Kinder im Blick haben. Bei Bedarf werden durch spezielle Techniken die Kinder, zumindest in der Vorstellung, in den Mediationsraum geholt. Dies kann durch bestimmte Fragen oder durch Handlungen, wie zum Beispiel das Aufstellen eines leeren Stuhls, der symbolisch für das Kind steht, oder einer eigenen Spalte auf der Flipchart, erfolgen. Haben die Kinder ein gewisses Alter und Reife, besteht die Möglichkeit, sie zum Ende der Mediation hin einzubinden und ihre Ideen zur Lösungsfindung einzubeziehen. Die Ansichten und Vorschläge der Kinder können häufig zu kreativen Lösungen beitragen. Voraussetzung ist, dass der Konflikt zwischen den Eltern bearbeitet ist und sie wieder wertschätzend miteinander kommunizieren können. Herrscht Unklarheit oder gar Streit darüber, was dem Wohl des Kindes am besten dient, kann es Sinn machen, wenn die Eltern sich eine Expertenmeinung von Pädagogen oder Psychologen einholen. Damit ihr Urteil angenommen wird, sollten die Eltern im Vorfeld besprechen nach welchen Kriterien und von wem die Person ausgewählt wird.

Steht die in der Mediation erarbeitete Vereinbarung der Eltern, sollten sie diese den Kindern gemeinsam vorstellen. Dies zeigt dem Kind, dass ihm beide Elternteile erhalten bleiben.

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