Hilfe im Konflikt

Anette Gnandt, Rechtsanwältin + MediatorinKonfliktlösung, Mediation

Konflikt Brücken bauen

Wo wird mir geholfen oder der passende Weg aus dem Konflikt

Konflikte sind die Mutter der Entwicklung. Konflikte sollte man nicht vermeiden, sondern lösen. Frei nach Helmut Glasl (*1950, Thüringer Aphoristiker) zwei kurze und m.E. umso treffendere Zitate:
Bei der Frage, wie sich ein Konflikt am besten lösen lässt, gibt es viele Möglichkeiten zu antworten. Die Kunst besteht darin, die richtige für den Konflikt und sich zuerkennen. Streiten Sie besser „klassisch“ mit einem Rechtsanwalt vor Gericht, suchen Sie lieber gemeinsam Lösungen in der Mediation oder bearbeiten Sie Ihre Probleme alleine in der Therapie?
Der Artikel gibt einen groben Überblick über die unterschiedlichen Möglichkeiten und Arbeitsweisen der professionellen Hilfeleister. Er dient der schnellen Orientierung und erhebt hierbei keinen wissenschaftlichen Anspruch.

Streiten lassen vor Gericht

Beauftragen Sie einen Rechtsanwalt mit der Lösung Ihres Konflikts, wird er Sie zunächst zu den Erfolgsaussichten beraten. Im Klartext heißt das, er wird Ihnen sagen, ob Sie vor Gericht bekommen können, was Sie wollen oder ob die Chancen hierfür eher gering sind. Geht es Ihnen um klar umrissene Streitfragen, müssen Sie mit Ihrem Gegenüber nicht weiter zu tun haben und haben Sie auch nicht viel Lust, sich mit dem Problem selbst auseinanderzusetzten oder empfinden Sie das als zu belastend, dann lassen Sie den Rechtsanwalt für sich streiten. In den meisten Fällen brauchen Sie als Partei eines Rechtsstreits nicht mal vor Gericht erscheinen. Dies gilt zumeist bei den zivilrechtlichen Streitigkeiten, insbesondere im Vertragsrecht. Im Familienrecht hingegen ist das persönliche Erscheinen Pflicht.

Gemeinsam Lösungen suchen in der Mediation

Werden Sie mit Ihrem Konfliktpartner weiter zu tun haben, weil es beispielsweise ein an sich guter Geschäftspartner ist, mit dem Sie gerne weiter zu tun hätten oder gar handelt es sich gar um den Vater Ihrer Kinder? Dann ist Mediation ein guter Weg, denn im Mediationsverfahren besteht die Chance, dass sich Beziehungen sogar verbessern. Konflikte, die gemeinsam gelöst werden, stärken das Selbst und die Beziehung zum anderen. Voraussetzung ist, dass es die Konfliktpartner mit einer Mediation versuchen wollen und offen sind für Lösungen, die noch in den Sternen stehen.

Krise meistern im (Einzel-)Coaching

Merken Sie, dass Sie an einem bestimmten Punkt nicht mehr weiterkommen und in alte Muster verfallen, sich also in einer aktuellen herausfordernden Situation selbst im Wege stehen (könnten), dann kann ein Coaching das Richtige für Sie sein. Durch das Reflektieren und Einüben von neuen Mustern werden Sie in die Lage versetzt, in einer bestimmten Situation (meist in einem bestehenden Konflikt) anders zu handeln. Dazu kann auch gehören, anderen, z.B. dem Chef oder Kollegen, gegenüber anders aufzutreten. Coaching wird auch für Gruppen angeboten, sogenanntes Teamcoaching.

Hintergründe verstehen in der Therapie

Die Formen der Psychotherapie und aller weiteren therapeutischen Hilfestellungen sind vielfältig. Neben den bekannten Formen der Tiefenpsychologischen Psychotherapie und der Verhaltenstherapie gibt es Angebote für Paare (Paartherapie) und Familien (Familientherapie, Familienaufstellung, Geneogramm etc.).

Unterschied von Mediation und Therapie

Eines vorweg: Mediation ist keine (Paar-)Therapie! Bei einer Scheidungsmediation geht es um die Neugestaltung der kommenden Zeit als alleinstehende Person und nicht darum, Paare wieder zusammen zu bringen. Zumeist haben sich die Paare vorgestellt, bis Lebensende zusammen zu sein. Ist diese Vorstellung überholt und der Trennungswunsch da, kann es sein, dass eine Person dies noch nicht akzeptiert und an der Beziehung festhalten will. Als Scheidungsmediatorin sehe ich meine Aufgabe darin, hier Klarheit für alle Beteiligten zu schaffen und ggf. an Therapeuten zu verweisen. Eines sollte nämlich klar sein: eine Scheidungsmediation soll die Beteiligten stärken, in Frieden ihre getrennten Wege zu gehen. Will ein Paar aber beispielsweise trotz der Konflikte eigentlich zusammenbleiben, wäre eine Paartherapie die erste Wahl. In der Paartherapie kann ein Paar lernen, einen anderen Umgang miteinander zu schaffen, um in der Beziehung zufrieden zu sein.
Im Rahmen meiner Tätigkeit als Scheidungsmediatorin empfehle ich neben der Paartherapie eine Einzeltherapie, wenn ich merke, dass der Trennungsschmerz noch nicht bewältigt ist und alleine voraussichtlich nicht bewältigt werden kann. Dies kann zusätzlich als Unterstützung einer Mediationspartei sinnvoll sein. In jedem Fall empfehle ich, zusätzlich einen außenstehenden Therapeuten aufzusuchen, selbst wenn der Mediator von Beruf auch Therapeut seien sollte. Ansonsten besteht die Gefahr, dass das Mediationsverfahren überladen wird und nicht mehr klar zwischen persönlicher Aufarbeitung und gemeinsamer Zukunftsgestaltung getrennt wird.
Auch bestimmte Bereiche der systemischen Familientherapie, wie eine Familienaufstellung oder die Erstellung eines Geneograms, können zur Konflikterhellung im laufenden Mediationsverfahren hilfreich sein. Auch hier gilt: Eine Familienaufstellung gehört in die Hände von speziell hierfür ausgebildeten Profis.

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